„Herzensprojekt? Wirklich?“
Neuerdings hat jeder ein Herzensprojekt.
Wenn du durchs Netz scrollst, findest du es an jeder Ecke.
„Endlich darf ich euch mein Herzensprojekt vorstellen!“
„So viel Liebe steckt in meinem Herzensprojekt!“
„Ich habe lange auf diesen Moment gewartet: mein Herzensprojekt ist online!“
Klingt toll.
Warm.
Persönlich.
Und vor allem: Unangreifbar.
Denn: Wer bitte würde ein Herzensprojekt kritisieren?
Das Herz steht ja schließlich drüber, oder?
Es war vor sieben Jahren, als wir diese Hündin aufnahmen.
Eine Hündin, die schon lange niemand mehr haben wollte.
Ein Wanderpokal, sagen manche.
Erst Scheidungshund, in einer Pension abgestellt, als wäre sie nur ein Möbelstück.
Dann viele Jahre Tierheim, dazwischen immer wieder kurze Vermittlungsversuche.
Doch immer wieder kam sie zurück.
Weil sie nicht „funktionierte“.
Weil sie gelernt hatte, dass Menschen nicht verlässlich sind.
Weil sie gelernt hatte, dass Angriff oft die einzige Sprache ist, die verstanden wird.
Wer ihr zu nahe kam, bekam die Zähne zu sehen.
Nicht, weil sie böse war, sondern, weil sie irgendwann aufgehört hatte zu hoffen, dass es irgendwo einen vertrauenswürdigen Menschen gibt.
Und trotzdem waren da diese Menschen, die sie nicht aufgaben.
Die ihr die Chance gaben, die ihr so viele andere verweigert hatten.
Die bereit waren, ihr Leben einmal komplett auf den Kopf zu stellen.
Nicht für Likes.
Nicht für Mitleid.
Nicht für Geld.
Sondern einfach, weil sie helfen wollten.
Weil sie fanden: Wenn nicht wir, wer dann?
Und sie haben alles gegeben.
Den Alltag umgebaut, das eigene Leben angepasst, Schritt für Schritt.
Damit diese Hündin endlich eines haben konnte: Sicherheit.
Ein Zuhause, in dem sie ankommen durfte.
Wo niemand mehr von ihr erwartete, perfekt zu sein.
Und irgendwann war es geschafft.
Die Hündin begann, loszulassen.
Wieder zu vertrauen.
Wieder zu leben.
Und als sie endlich so weit war, als sie wieder ein normales Hundeleben hätte führen können, da kam der Krebs.
Und nach zwei Jahren war alles vorbei.
Das war ein Herzensprojekt.
Still.
Aufrichtig.
Ohne Applaus.
Ohne Publikum.
Ohne Likes oder Klicks.
Einfach ein großes, leises Ja zu einem Lebewesen, das längst keiner mehr sehen wollte.
Und genau darum geht es bei Herzensprojekten.
Nicht darum, wie gut sie sich verkaufen.
Sondern darum, was sie hinterlassen.