Die große Selbstoptimierungs-Show – Oder: Wenn Empowerment zur Inszenierung wird

Es gibt mittlerweile Veranstaltungen wie "Women conquer Business", "Female Founder Festival", "She-Summit" oder "Goddess Gathering". Aber hast du…

Es gibt mittlerweile Veranstaltungen wie „Women conquer Business“, „Female Founder Festival“, „She-Summit“ oder „Goddess Gathering“.

Aber hast du schonmal von „MännerMachenBusiness“ gehört? Oder „WirErobernDieWeltMitDemMännlichenGeschlecht“?

Nein? Ich auch nicht.

Und weißt du warum? Weil Männer das einfach machen, ohne Festival, ohne Instagram-Kampagne, ohne spirituellen Rahmen. Sie treffen sich in Hinterzimmern, auf Golfplätzen, in Vorstandsetagen und regeln ihre Geschäfte. Still, effizient, ohne Tamtam.

Die Frauen? Die machen daraus eine Bewegung.

Bevor jetzt jemand die Mistgabeln rausholt: Nein, das ist keine Diskriminierung. Ich unterscheide nicht nach Hautfarbe, Geschlecht oder sonst irgendwas. Wir sind in erster Linie Menschen, und genau deshalb darf man auch mal fragen: Was zur Hölle ist da gerade los?

90% der Männer sind Idioten, das sage ich als Mann. Die meisten Männergespräche sind substanzlos, oberflächlich, peinlich. Selbst heute komme ich mir blöd vor, wenn ich versehentlich in so ein Gespräch rutsche. Schimpansen hätten sich vermutlich Sinnvolleres zu erzählen.

Aber was die Frauenwelt da mittlerweile treibt, ist auch nicht besser, nur anders verpackt.

Gefühlt hockt die halbe weibliche Instagram-Welt gerade auf Bali, oder Tulum, oder sonst einem „spirituellen Hotspot“. Yoga, halbnackt, im Sonnenuntergang. Dazu Sprüche wie: „Ich habe gelernt, meine weibliche Kraft zu spüren“, „Deine Weiblichkeit ist deine Superkraft“, „Lass uns gemeinsam die Welt erobern, als Frauen!“

Und dann sollen andere Frauen dazu motiviert werden, es ihnen gleichzutun. Ein Retreat hier, ein Workshop da, ein Coaching-Programm für 3.000 Euro. „Finde deine innere Göttin“, „Manifest your dream life“, „Embrace your feminine energy“.

Was ist das eigentlich? Ist das Empowerment oder ist das Inszenierung? Ist das Selbstbestimmung oder ist das ein Business-Modell, das auf Unsicherheit aufbaut?

Denn seien wir ehrlich: Die meisten dieser „Bewegungen“ sind keine Bewegungen, sie sind Marketingkampagnen. Sie verkaufen ein Gefühl von Zugehörigkeit, sie verkaufen ein Bild von Freiheit, sie verkaufen die Illusion, dass ein Instagram-Feed ein Leben ist.

Und ja, ich weiß, Männer machen das auch. Nur nennen sie es nicht „Männlichkeits-Retreat“, sie nennen es „Leadership-Seminar“ oder „Mastermind-Group“. Und sie posten keine halbnackten Fotos dabei, sie posten Anzüge, Handshakes, Erfolge. Gleiche Scheiße, andere Verpackung.

Aber hier ist der Unterschied: Männer inszenieren sich als erfolgreich, Frauen inszenieren sich als befreit. Männer verkaufen Status, Frauen verkaufen Spiritualität. Männer sagen „Ich habe es geschafft“, Frauen sagen „Ich habe mich selbst gefunden“.

Beides ist Bullshit, und beides lenkt von der eigentlichen Frage ab: Was tust du eigentlich wirklich?

Denn ehrlich, was bringt es, auf Bali Yoga zu machen, wenn du damit nur anderen Frauen verkaufst, dass sie auch auf Bali Yoga machen sollen? Was bringt es, deine „weibliche Energie“ zu zelebrieren, wenn daraus nur ein weiteres Coaching-Angebot wird? Was bringt es, von „Sisterhood“ zu reden, wenn am Ende doch jede nur ihre eigene Marke aufbaut?

Ich habe nichts gegen Frauen, die ihr Ding machen, und nichts gegen Männer, die ihr Ding machen. Aber ich habe etwas dagegen, wenn Selbstinszenierung als Selbstverwirklichung verkauft wird, egal von wem.

Wir brauchen keine weiteren Festivals, Retreats oder Summits. Wir brauchen Menschen, die einfach machen, ohne Hashtag, ohne Spiritualität als Verkaufsargument, ohne den Drang, andere davon zu überzeugen, dass ihr Weg der richtige ist.

Einfach machen, ohne Show.

Aber das ist nicht Instagram-tauglich, und deshalb passiert es nicht.