by schlichtwelt | 24. September 2025 | Firlefanz
Mimimi. Es regnet. Mimimimi.
Ich spule mal vor.
Mimimi. Es ist kalt. Mimimi.
zrrzzrrrrzr.
Mimimi. Es ist zu warm. Mimimi.
Kennste auch?
Also ich meine, wenn man sich sonst nichts zu erzählen hat, dann sag das doch deinem Gegenüber. Oder sei leise.
Aber ständig dieses oberflächliche Rumgeheule. Manche nennen es auch Smalltalk. Das konnte ich noch nie 🙂 Entweder ich rede was oder halt eben nicht. Oft ist dieses Nicht für mich die bessere Wahl.
Je mehr man Menschen beobachtet und einfach reden lässt, umso schneller kann man sich eine Meinung bilden.
Ja, ich packe auch alles in Schubladen. Aber zumindest bin ich so fair und warte kurz ab, ob die Schublade passt. So kurz bevor ich den Aufkleber dran mache 🙂 Und ganz manchmal, so ein klitzekleines Wenigmanchmal, da mache ich ganz heimlich die Schublade wieder auf und hole jemand raus. Stecke ihn dann in die andere Schublade. Nach weiter unten.
Moment, jetzt habe ich mich schon wieder verkaspert.
Ja, der Regen. Der Regen ist nunmal Natur.
Ich finde immer ganz witzig, die größten Jammerlappen sind am allerwenigsten draußen. Die sitzen da schön im Warmen mit ihrem Hafermilch-Latte, tippen ein wenig am Handy rum und jammern mit den Kollegen. Über den Regen. Und vielleicht noch über den Bürostreß. Über den Rest haben sie gestern schon gejammert. Da kommt der Regen gerade recht. Nicht, dass das Gesprächsthema ausgeht.
Während Kathi mal wieder in einem Offenstall unterwegs ist, um Pferde zu behandeln. Es gibt so Ställe, da gibt es kein Dach. Oder wenig Dach. Und Kathi hält tapfer durch. Die Finger schon aufgeweicht, die Blase übervoll. Und mit Druck in der Blase ständig die Regentropfen zu hören ist auch suboptimal.
Aber sie hält tapfer durch. Währenddessen in irgendeinem Büro der Nächste beginnt über den Regen zu jammern.
Ich meine, über was jammert man denn? Über die 20 Sekunden zum Auto rennen? Oder die 20 Sekunden, die man vom 50TausendEuro-Auto in den Discounter benötigt, um die günstigste Milch zu kaufen?
Oh, sorry, meine Schubladen klappern gerade wie blöde. Und meine Finger tippen heute so richtig Fieses *teuflischesGelächterbittehiereinfügen* 🙂
Es ist halt die Natur. Ich kann mich jetzt kollektiv verhalten und da mitjammern, aber wieso denn? Die Natur braucht es. Das sagt Kathi immer und immer wieder. Und die Landwirte. Und unser Apfelbaum.
Ansonsten gibt es keine Spezies, die jammert. Die Pferde stehen draussen und grasen. Jetzt glänzen sie endlich wieder. Den Hunden ist es – meistens – auch egal. Ok, ausser der Miss Pompadour. Die bekommt halt auch ein Mäntelchen an. So ein Hund würde jetzt freiwillig auch nicht umherwandern. Und das kleine Knochenkasperle friert halt ohne schützende Unterhautfettschicht etwas.
Einzig die Regenwürmer. Die rennen um ihr Leben. Denn im Gegensatz zu den Sesselpupsern ertrinken die in Pfützen.
Zugegebermaßen kann ich mir auch besseres vorstellen, als im Regenbruns mit den Hunden unterwegs zu sein. Aber ich kann meine Gedanken auch für gute Dinge aufwenden, anstatt mich kollektiv in die Regendepression zu flüchten.
Und ganz schlimm ist auch die Massenhysterie in den Nachrichten. In Besigheim bauen sie schon eine Arche Noah. In Stuttgart berät man, ob man den Sylter Strand in Sandsäcke füllt und herkarrt. Ja i know. Das Ahrtal. Und Braunsbach. Die Flut. Das ist logischerweise furchtbar. Aber wir können jetzt alle entweder Angst bis ans Lebensende haben und jammern.
Oder leben.
– Roland
by schlichtwelt | 10. September 2025 | Aufreger
Wenn Nichts Können denkt, es könnte was
Es gibt Dinge, die ändern sich nie.
Menschen, die nichts können, tun sich gern mit Menschen zusammen, die ebenfalls nichts können und zusammen denken sie dann, sie könnten. Alles.
Ich hab das früher immer nur als Bauchgefühl wahrgenommen.
Heute weiß ich, dass das sogar einen Namen hat. Man nennt es den Dunning-Kruger-Effekt.
Das Faszinierende daran:
Wenn man inkompetent ist, kann man gar nicht wissen, dass man inkompetent ist.
Die Fähigkeiten, die man bräuchte, um eine richtige Antwort zu geben, sind genau die Fähigkeiten, die man auch bräuchte, um zu erkennen, dass die eigene Antwort falsch ist.
Ich weiß, der letzte Absatz liest sich schwer 🙂
Aber es führt dazu, dass Menschen mit halbem Wissen oft die größte Klappe haben.
Sie sind überzeugt, dass sie alles im Griff haben, während die, die wirklich Ahnung haben, eher zweifeln, reflektieren, nachjustieren.
Kurz gesagt: Die Doofen sind die Lauten.
Ich finde das witzig und gleichzeitig traurig.
Weil genau daraus so viel Blödsinn entsteht.
Von selbsternannten Experten im Internet, die dir Ernährung erklären wollen, obwohl sie noch nie eine Küche von innen gesehen haben.
Von Networkern, die dir Kapseln andrehen, weil angeblich „keine Nährstoffe mehr im Essen“ sind, aber noch nie selbst begriffen haben, wie Landwirtschaft geschweige denn die Natur oder der Körper funktioniert.
Das Muster ist immer gleich:
Laut. Überzeugt. Doof.
Und wenn man einmal verstanden hat, dass das Ganze einen Namen hat, dann ist es fast schon beruhigend.
Weil man merkt: Das liegt nicht an dir. Das ist einfach nur Dunning-Kruger live.
Und wer nun denkt, boah, der überhebliche und perfekte Roland nun wieder 🤪, stellt sich hier über andere. Nein, das liegt mir absolut fern.
Weder bin ich die hellste Birne auf diesem Planeten, noch hege ich den Anspruch daran.
Vielleicht fällt’s mir gerade deswegen so oft auf: Die mit halbem Wissen sind laut. Die mit wirklicher Ahnung sind meist leiser, weil sie um die Komplexität der Dinge wissen.
Und ja, das nervt. Weil Lautstärke nicht mit Wahrheit gleichzusetzen ist.
Und weil viele lieber dem schnellen Spruch glauben als der leisen, durchdachten Antwort.
Wir alle könnten öfter innehalten, bevor wir das nächste Urteil raushauen.
Und uns fragen: Spreche ich gerade aus Wissen, oder nur aus Bauchgefühl (was nicht schlimm wäre)?
Bin ich sicher oder überschätze ich mich vielleicht?
Denn eines ist sicher: Die Welt wäre ein Stück entspannter, wenn weniger Halbwissen auf voller Lautstärke durch die Gegend posaunt würde.
– Roland
– Roland
by schlichtwelt | 6. September 2025 | Firlefanz
Ich hab heute einen Beitrag gelesen:
Eine Frau sucht einen Physiotherapeuten als Kassenpatientin.
„Nur für Privatpatienten oder Selbstzahler.“
Der Frust darüber ist nachvollziehbar.
Aber lasst uns da mal ein bisschen tiefer hinschauen.
Ich schreibe das hier nicht, um zu rechtfertigen oder irgendwas zu verteidigen.
Sondern um mal was klarzustellen als jemand, der selbst mit Kathi als Heilpraktikerin und Physiotherapeutin seit 14 Jahren eine Heilpraxis führt.
Dass manche Praxen nur noch Selbstzahler oder Privatpatienten „wünschen“, hat selten was mit Gier zu tun.
Es hat oft viel mehr mit Ehrlichkeit und einer klaren Entscheidung für Qualität zu tun.
Und ja: Gesundheit muss einem etwas wert sein.
Ich rede nicht davon, ob man’s sich leisten kann, das steht auf einem anderen Blatt.
Aber ob man es sich wert ist.
Das ist eine ganz andere Frage.
Denn Gesundheit fängt nicht erst bei einem Physiorezept an.
Sie fängt viel früher an.
Bei dem, wie wir uns bewegen und wie wir mit uns selbst reden.
Was soll denn bitte eine 15-Minuten-Massage bringen, wenn der Rücken vom Alltag, vom Lebensstil oder von jahrelangen Glaubenssätzen völlig überlastet ist?
Fango drauf und weiter geht’s?
Das funktioniert vielleicht kurzfristig. Aber nachhaltig?
Das eigentliche Problem ist nicht, dass die Praxis keine Kassenrezepte annimmt.
Das Problem ist ein System, das einem Patienten 6 Massagen auf Rezept gibt und sich dann wundert, warum nichts besser wird.
Und es ist ein System, in dem man kaum Zeit hat, wirklich hinzuschauen.
Ein System, das schnelle Lösungen für komplexe Probleme verlangt.
Und wo man in 20 Minuten zwischen Tür und Angel ein Kreuzband, einen Burnout und eine Schmerzgeschichte abarbeiten soll.
Gesundheit ist längst nicht mehr das Ziel.
Das Ziel sollte sein: Es muss dem Patienten nachhaltig helfen.
Und genau deswegen entscheiden sich immer mehr Therapeutinnen und Therapeuten dafür, aus diesem System auszusteigen.
Weil sie sich die Zeit nehmen wollen.
Weil sie ganzheitlich arbeiten wollen.
Weil sie nicht nur Symptome verwalten, sondern Zusammenhänge erkennen wollen.
Und ja, das zahlt die Kasse nicht.
Und nein, das liegt nicht an der kleinen Praxis.
Sondern an einem großen System, das längst nicht mehr stabil ist.
Ich verstehe jeden, der auf ein Rezept hofft.
Ich verstehe aber auch jeden, der sagt:
„Ich nehme mir lieber eine Stunde Zeit für dich, und wir schauen gemeinsam, wo’s klemmt, ohne Stoppuhr, ohne Budgetdruck, ohne Bürokratie.“
Das ist eine Entscheidung für dich, wenn du bereit bist, mitzuwirken.
Mit allem, was dazu gehört.
Ehrlich. Nachhaltig. Ganzheitlich.
by schlichtwelt | 27. August 2025 | Aufreger
Es gibt Dinge, die immer wieder an mein Ohr dringen. Und diese ständigen Wiederholungen machen es nicht besser, im Gegenteil.
Vielleicht bin ich auch hochsensibel, ich weiß es nicht.
Aber:
Es gibt immer solche Aussagen, die ungefähr so beginnen:
Es ist ja vollkommen normal, dass …
Hinter den Punkten kann man jetzt ganz viele beliebige Dinge einfügen.
Zum Beispiel … man in einer Beziehung immer mal wieder richtig streiten.
Ist das so?
Muss das normal sein, dass man streitet? In den Augen vieler anderer, klar.
Oder ist das nur ein Glaubenssatz, den man verinnerlicht hat und als Entschuldigung dafür herhalten muss, wenn man mal wieder gegenteiliger Meinung ist?
Ich meine, welche zwei Dödel tun sich denn zusammen und finden ihren Sinn im „immer mal streiten“? Und schlimmer noch, wenn danach der Sex herhalten muss, weil der nach dem Streit ja besonders toll sein soll 🧐
Eines meiner Lebensmottos ist: Verschwende keine Energie mit Negativität. Und Streiten ist in höchstem Maße negativ und keinesfalls normal.
Man kann unterschiedlicher Meinung sein, keine Frage, aber das kann man ausdiskutieren. Gerade in einer Partnerschaft, in der man sich liebt!? Sollte das doch, nein MUSS das möglich sein.
Selbst wenn ich von sieben Tagen in der Woche einen Tag „mal so richtig streite“ fehlt mir ein Tag toller Lebenszeit. Plus Minus. Je nachdem, wie lange man braucht, um sich wieder zu vertragen.
Da muss ich immer mal wieder den Kopf schütteln. Hör‘ dich mal um. Entweder bist DU dann selbst über dich erschrocken oder so wie ich über die anderen.
Zurück zum Thema 🤪
Es ist ja vollkommen normal, dass …
man Tonnen an Medikamenten zu Hause hat, weil man ständig Schmerzen hat.
Puh. Daran ist vor vielen, vielen Jahren mal eine Beziehung zerbrochen.
Sie fragte: „Haste mal ‘ ne Ibu?“
Ich so (damals, vor der Sintflut): „Nein, was ist das?“ „’Ne Schmerztablette… gib mir einfach eine andere!“ „Ich habe keine andere, ich habe gar keine Medikamente!“
Das war für mich so erschreckend, dass ich Reissaus genommen habe. Heute würde man sagen, ich habe sie geghostet 😂
Also nun denn. Für mich ist es keinesfalls normal, dass man Medikamente zu Hause hat.
Wieso? Ich habe nur diesen einen Körper und wenn der sich mit irgendetwas meldet, dann hat er ein Problem.
Dieses Problem kann ich ja nun nicht einfach kaschieren. Also doch kann man, ist dann halt aber scheisse.
Was mich doch gleich zum nächsten Punkt bringt:
Es ist ja vollkommen normal, dass …
man manchmal Schmerzen hat.
Ähm, nein. Auch das ist nicht normal. Vielleicht ist es ja für die normal, für die es normal ist, einen Schrank voller Pillen und Tabletten zu Hause zu haben.
Vielleicht ist es sogar für die normal, die es normal finden, ständig zu streiten 😅.
Aber es ist nicht normal. Habe ich egal wo Schmerzen, dann sagt mir mein Körper: STOPP. Bis hier und nicht weiter.
Hat jemand schonmal eine Warnlampe am Auto mit Panzerband zugeklebt? Wieso nicht? Ich meine, es ist doch „normal“, dass da alles Mögliche blinkt?
Ja, ich weiß. Sehr plakativ. Aber es ist ein Stopp. Und wer dieses Stopp ignoriert, abschaltet, übergeht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Dinge immer schlimmer und schlimmer werden und dann irgendwann einfach nicht mehr weiter wissen.
Außer zu streiten.
Grundsätzlich will ich sagen, man könnte vieles überdenken, was man als „normal“ einfach hinstellt. Und ich lehne mich vielleicht jetzt weit aus dem Fenster, aber 99 % davon sind sicherlich alles andere als normal.
by schlichtwelt | 12. August 2025 | Aufreger
„Herzensprojekt? Wirklich?“
Neuerdings hat jeder ein Herzensprojekt.
Wenn du durchs Netz scrollst, findest du es an jeder Ecke.
„Endlich darf ich euch mein Herzensprojekt vorstellen!“
„So viel Liebe steckt in meinem Herzensprojekt!“
„Ich habe lange auf diesen Moment gewartet: mein Herzensprojekt ist online!“
Klingt toll.
Warm.
Persönlich.
Und vor allem: Unangreifbar.
Denn: Wer bitte würde ein Herzensprojekt kritisieren?
Das Herz steht ja schließlich drüber, oder?
Es war vor sieben Jahren, als wir diese Hündin aufnahmen.
Eine Hündin, die schon lange niemand mehr haben wollte.
Ein Wanderpokal, sagen manche.
Erst Scheidungshund, in einer Pension abgestellt, als wäre sie nur ein Möbelstück.
Dann viele Jahre Tierheim, dazwischen immer wieder kurze Vermittlungsversuche.
Doch immer wieder kam sie zurück.
Weil sie nicht „funktionierte“.
Weil sie gelernt hatte, dass Menschen nicht verlässlich sind.
Weil sie gelernt hatte, dass Angriff oft die einzige Sprache ist, die verstanden wird.
Wer ihr zu nahe kam, bekam die Zähne zu sehen.
Nicht, weil sie böse war, sondern, weil sie irgendwann aufgehört hatte zu hoffen, dass es irgendwo einen vertrauenswürdigen Menschen gibt.
Und trotzdem waren da diese Menschen, die sie nicht aufgaben.
Die ihr die Chance gaben, die ihr so viele andere verweigert hatten.
Die bereit waren, ihr Leben einmal komplett auf den Kopf zu stellen.
Nicht für Likes.
Nicht für Mitleid.
Nicht für Geld.
Sondern einfach, weil sie helfen wollten.
Weil sie fanden: Wenn nicht wir, wer dann?
Und sie haben alles gegeben.
Den Alltag umgebaut, das eigene Leben angepasst, Schritt für Schritt.
Damit diese Hündin endlich eines haben konnte: Sicherheit.
Ein Zuhause, in dem sie ankommen durfte.
Wo niemand mehr von ihr erwartete, perfekt zu sein.
Und irgendwann war es geschafft.
Die Hündin begann, loszulassen.
Wieder zu vertrauen.
Wieder zu leben.
Und als sie endlich so weit war, als sie wieder ein normales Hundeleben hätte führen können, da kam der Krebs.
Und nach zwei Jahren war alles vorbei.
Das war ein Herzensprojekt.
Still.
Aufrichtig.
Ohne Applaus.
Ohne Publikum.
Ohne Likes oder Klicks.
Einfach ein großes, leises Ja zu einem Lebewesen, das längst keiner mehr sehen wollte.
Und genau darum geht es bei Herzensprojekten.
Nicht darum, wie gut sie sich verkaufen.
Sondern darum, was sie hinterlassen.