von schlichtwelt | 10. März 2026 | Aufreger
Es gibt mittlerweile Veranstaltungen wie „Women conquer Business“, „Female Founder Festival“, „She-Summit“ oder „Goddess Gathering“.
Aber hast du schonmal von „MännerMachenBusiness“ gehört? Oder „WirErobernDieWeltMitDemMännlichenGeschlecht“?
Nein? Ich auch nicht.
Und weißt du warum? Weil Männer das einfach machen, ohne Festival, ohne Instagram-Kampagne, ohne spirituellen Rahmen. Sie treffen sich in Hinterzimmern, auf Golfplätzen, in Vorstandsetagen und regeln ihre Geschäfte. Still, effizient, ohne Tamtam.
Die Frauen? Die machen daraus eine Bewegung.
Bevor jetzt jemand die Mistgabeln rausholt: Nein, das ist keine Diskriminierung. Ich unterscheide nicht nach Hautfarbe, Geschlecht oder sonst irgendwas. Wir sind in erster Linie Menschen, und genau deshalb darf man auch mal fragen: Was zur Hölle ist da gerade los?
90% der Männer sind Idioten, das sage ich als Mann. Die meisten Männergespräche sind substanzlos, oberflächlich, peinlich. Selbst heute komme ich mir blöd vor, wenn ich versehentlich in so ein Gespräch rutsche. Schimpansen hätten sich vermutlich Sinnvolleres zu erzählen.
Aber was die Frauenwelt da mittlerweile treibt, ist auch nicht besser, nur anders verpackt.
Gefühlt hockt die halbe weibliche Instagram-Welt gerade auf Bali, oder Tulum, oder sonst einem „spirituellen Hotspot“. Yoga, halbnackt, im Sonnenuntergang. Dazu Sprüche wie: „Ich habe gelernt, meine weibliche Kraft zu spüren“, „Deine Weiblichkeit ist deine Superkraft“, „Lass uns gemeinsam die Welt erobern, als Frauen!“
Und dann sollen andere Frauen dazu motiviert werden, es ihnen gleichzutun. Ein Retreat hier, ein Workshop da, ein Coaching-Programm für 3.000 Euro. „Finde deine innere Göttin“, „Manifest your dream life“, „Embrace your feminine energy“.
Was ist das eigentlich? Ist das Empowerment oder ist das Inszenierung? Ist das Selbstbestimmung oder ist das ein Business-Modell, das auf Unsicherheit aufbaut?
Denn seien wir ehrlich: Die meisten dieser „Bewegungen“ sind keine Bewegungen, sie sind Marketingkampagnen. Sie verkaufen ein Gefühl von Zugehörigkeit, sie verkaufen ein Bild von Freiheit, sie verkaufen die Illusion, dass ein Instagram-Feed ein Leben ist.
Und ja, ich weiß, Männer machen das auch. Nur nennen sie es nicht „Männlichkeits-Retreat“, sie nennen es „Leadership-Seminar“ oder „Mastermind-Group“. Und sie posten keine halbnackten Fotos dabei, sie posten Anzüge, Handshakes, Erfolge. Gleiche Scheiße, andere Verpackung.
Aber hier ist der Unterschied: Männer inszenieren sich als erfolgreich, Frauen inszenieren sich als befreit. Männer verkaufen Status, Frauen verkaufen Spiritualität. Männer sagen „Ich habe es geschafft“, Frauen sagen „Ich habe mich selbst gefunden“.
Beides ist Bullshit, und beides lenkt von der eigentlichen Frage ab: Was tust du eigentlich wirklich?
Denn ehrlich, was bringt es, auf Bali Yoga zu machen, wenn du damit nur anderen Frauen verkaufst, dass sie auch auf Bali Yoga machen sollen? Was bringt es, deine „weibliche Energie“ zu zelebrieren, wenn daraus nur ein weiteres Coaching-Angebot wird? Was bringt es, von „Sisterhood“ zu reden, wenn am Ende doch jede nur ihre eigene Marke aufbaut?
Ich habe nichts gegen Frauen, die ihr Ding machen, und nichts gegen Männer, die ihr Ding machen. Aber ich habe etwas dagegen, wenn Selbstinszenierung als Selbstverwirklichung verkauft wird, egal von wem.
Wir brauchen keine weiteren Festivals, Retreats oder Summits. Wir brauchen Menschen, die einfach machen, ohne Hashtag, ohne Spiritualität als Verkaufsargument, ohne den Drang, andere davon zu überzeugen, dass ihr Weg der richtige ist.
Einfach machen, ohne Show.
Aber das ist nicht Instagram-tauglich, und deshalb passiert es nicht.
von schlichtwelt | 22. Januar 2026 | Aufreger
Kinder, es gab mal eine Zeit, da schrieben Menschen Liebesbriefe.
So richtig mit der Hand auf Papier und bestenfalls mit Tinte, die manchmal verwischte, weil die Finger nervös waren. Und wer ganz cool war, schrieb den mit einem Lamy-Füller.
Wir suchten nach Worten, wir strichen Sätze durch und fingen zigmal von vorne an.
Es war unperfekt, aber persönlich.
Und heute? Heute gibt’s dafür KI.
Stelle dir vor, jemand will dir seine Liebe gestehen. Mal etwas mehr, als diese dämliche WhatsApp-Kommunikation.
Und anstatt sich hinzusetzen und nachzudenken, was er wirklich fühlt, tippt er:
„Schreib mir einen romantischen Liebesbrief für meinen Schatz“. Alleine bei dem Wort Schatz bekomme ich schon einen halben Würgereiz. Aber gut.
Und dann kommt sowas dabei raus:
„Betreff: 💝✨🌟 Ein Brief voller Gefühle für dich 🌟✨💝
Mein liebster Schatz! 💖💖💖
Dieser Brief ist nicht einfach nur ein Text. Er ist eine Liebeserklärung. Eine Hommage. Ein Versprechen. ✨
Wenn ich an dich denke, fühle ich nicht nur Zuneigung. Ich fühle tiefe Verbundenheit. Grenzenlose Dankbarkeit. Unendliche Liebe. 💕💕💕
Du bist nicht einfach nur mein Partner.
Du bist mein Anker. Mein Leuchtturm. Meine Heimat. 🏠⚓🌊
Authentisch. Liebevoll. Unverzichtbar. 💯
Deine Augen sind nicht nur schön. Sie sind wie zwei funkelnde Diamanten 💎💎, die mein Herz zum Leuchten bringen. Dein Lächeln ist nicht nur hübsch. Es ist wie Sonnenstrahlen nach einem Sturm ☀️🌈. Deine Stimme ist nicht nur angenehm. Sie ist wie ein sanftes Lied, das meine Seele berührt. 🎵❤️
Was unsere Liebe NICHT ist vs. Was unsere Liebe IST:
❌ Oberflächlich
✅ Tiefgründig und bedeutungsvoll
❌ Vergänglich
✅ Für die Ewigkeit bestimmt
❌ Einfach nur eine Beziehung
✅ Eine Seelenverbindung
❌ Gewöhnlich
✅ Außergewöhnlich und einzigartig
❌ Nur Worte
✅ Echte Taten und bedingungslose Hingabe
❌ Kompliziert
✅ Pure, ehrliche Liebe
❌ Einseitig
✅ Gegenseitig, stark und unerschütterlich
Das macht UNS aus: 💖
✅ Vertrauen auf höchstem Niveau
✅ Kommunikation, die von Herzen kommt
✅ Gemeinsame Ziele und Träume
✅ Bedingungslose Unterstützung
✅ Lachen bis die Bauchmuskeln schmerzen
✅ Zusammenhalt in schweren Zeiten
✅ Eine Zukunft voller Möglichkeiten
Nicht perfekt. Aber perfekt für uns. 💕✨
Was ich an dir schätze? Nicht nur deine Schönheit. Sondern deine innere Stärke. Nicht nur deine Worte. Sondern deine Taten. Nicht nur deine Gegenwart. Sondern deine bedingungslose Liebe. 🙏💝
Gemeinsam. Stark. Unzertrennlich. 💪👫
Ich liebe nicht nur dein Lachen. Ich liebe deine Verletzlichkeit. Nicht nur deine guten Tage. Sondern auch deine schweren Momente. Nicht nur das, was du sagst. Sondern das, was du fühlst. 💭💕
Du machst mich nicht nur glücklich.
Du machst mich besser. Mutiger. Vollständiger. ✨🚀
Ehrlich. Tief. Für immer. ♾️
Lass uns nicht einfach nur zusammen sein.
Lass uns wachsen. Träumen. Lieben. 🌱💫💖
Dieser Brief ist nicht das Ende meiner Worte.
Er ist der Anfang. Der Beweis. Die Wahrheit. 📜✍️
Ich liebe dich! 💕💕💕
Nicht nur heute. Nicht nur morgen. Sondern jeden einzelnen Tag. 🌅🌄🌠
Verbunden. Verliebt. Für immer dein. 💌
Dein Schatz
P.S.: Du bist nicht einfach nur besonders. Du bist außergewöhnlich. Einzigartig. Mein Alles. 🌟💝✨“
Romantisch, oder? Und ich verwette jetzt meine linke Pobacke, dass das auch noch manchen Mädels gefällt.
Nein, es ist nicht romantisch.
Es ist generisch und austauschbar. Es fehlt das Gefühl und das Herz in diesen Zeilen.
Kein einziger Satz ist dabei, der wirklich von Herzen kommt.
Kein einziger Moment, in dem jemand nach den richtigen Worten gesucht hat.
Nur Algorithmus und Bullshit.
Früher schrieb man Liebesbriefe, weil man etwas zu sagen hatte.
Heute lässt man schreiben, weil man zu faul ist zu fühlen.
Früher waren es holprige Sätze, die genau deshalb berührten.
Heute sind es perfekte Formulierungen, die genau deshalb kalt lassen.
Früher empfand man etwas dafür und dachte: „Mei, ist das schee.“
Heute erstellt man sich mit Shitshipiti sogar seinen Traumpartner als Foto.
Romantik? Tot.
Emotion? Outgesourct.
Liebe? Auf Knopfdruck.
Vielleicht sollten wir uns mal fragen, wo das hinführt.
Wenn wir nicht mal mehr unsere Gefühle selbst ausdrücken können.
Wenn selbst die intimsten Momente durch einen Algorithmus laufen.
Aber hey, Hauptsache effizient, oder?
Nicht nachdenklich, sondern fucking traurig.
Da ist es mir lieber, man schreibt aus Zeitmangel gar keinen Liebesbrief, weil man weiss was man einander hat.
Meine Zauberfee: Ich liebe dich ❤️
– Roland
von schlichtwelt | 18. Dezember 2025 | Aufreger
Herbstzeitlose im Heu: Wie Stallbetreiber Pferdeleben auf dem Gewissen haben und damit durchkommen
Ein offener Brief an alle, die „noch nie Probleme hatten"
Irgendwo in Deutschland steht gerade mindestens ein Stall, in dem Heu mit Herbstzeitlosen verfüttert wird. Die Betreiberin weiß es. Sie füttert es trotzdem weiter. Weil die Ballen schon bezahlt sind. Weil man das Heu ja schon immer dort kauft. Weil Pferde das angeblich nicht fressen. Weil ja „noch nie was passiert" ist.
Und wenn doch mal was passiert? Dann war es eben eine Kolik. Unklare Ursache. Pech gehabt.
Zwei tote Pferde später ändert sich: nichts.
Das ist keine Fiktion. Das passiert. Jetzt. In diesem Moment. Immer wieder.
Die Lüge vom „noch nie was passiert"
Diese fünf Worte sind das Schutzschild jeder Verantwortungslosigkeit. Sie bedeuten nicht: „Es ist sicher." Sie bedeuten: „Wir haben es nie untersucht."
Colchicin, das Gift der Herbstzeitlose, tötet zeitverzögert. Erst nach 12, 24, manchmal 48 Stunden zeigen sich Symptome. Speicheln. Kolik. Blutiger Durchfall. Kreislaufversagen. Und dann stirbt ein Pferd, und niemand stellt den Zusammenhang her, weil niemand danach sucht.
Pathologische Untersuchungen kosten Geld. Colchicin-Nachweise im Gewebe sind aufwendig. Also wird das tote Pferd entsorgt, der Besitzer trauert, und der Stall füttert weiter.
„Noch nie was passiert" bedeutet in Wahrheit: „Noch nie was bewiesen."
Das Geschäftsmodell Gleichgültigkeit
Gutes Heu kostet. Geprüfte Flächen kosten. Sorgfalt kostet. Und deshalb kaufen manche Ställe ihr Heu dort, wo es billig ist, Jahr für Jahr, Lieferant für Lieferant, ohne je zu fragen, was auf diesen Wiesen wächst.
Wer Herbstzeitlosen auf seinen Flächen hat und das Heu trotzdem an Pferdeställe verkauft, handelt skrupellos. Wer als Stallbetreiber dieses Heu kauft, obwohl er es besser wissen müsste, handelt fahrlässig. Wer nach dem Tod von Pferden einfach weitermacht wie bisher, handelt mit einer Kaltblütigkeit, die mir den Atem nimmt.
Aber es wird noch besser.
Die Masche mit der Kündigungsfrist
Ein Pferdebesitzer erkennt die Gefahr. Er sieht die Herbstzeitlosen im Heu, recherchiert, versteht das Risiko und will raus. Sofort. Weil sein Pferd ihm wichtiger ist als ein Pachtvertrag.
Was passiert? Er wird verklagt. Nicht der Stall, der Gift verfüttert. Der Besitzer, der sein Tier schützen will.
Die Logik dahinter ist so pervers wie effektiv: Wer kündigt, schuldet Geld. Wer Vorwürfe erhebt, riskiert eine Verleumdungsklage. Wer öffentlich warnt, bekommt Post vom Anwalt. Das System funktioniert, weil Schweigen billiger ist als kämpfen.
Und so bleiben die Pferde. Im Stall. Beim giftigen Heu. Bis sie sterben oder bis die Einstaller aufgeben und zahlen, was sie niemals hätten zahlen müssen.
Was Colchicin mit einem Pferd macht
Für alle, die immer noch glauben, Herbstzeitlose sei „nicht so schlimm":
Colchicin stoppt die Zellteilung. Es greift jede Zelle an, die sich regeneriert. Die Darmschleimhaut zuerst. Sie zerfällt. Buchstäblich. Das Pferd versucht zu verdauen, aber sein Darm löst sich von innen auf. Es blutet innerlich. Es dehydriert. Es bekommt Krämpfe, weil sein Körper kollabiert. Es gibt kein Gegengift. Die Tierärzte können nur zusehen, stabilisieren, hoffen. Bei schweren Vergiftungen stirbt das Pferd innerhalb von Tagen.
Und irgendwo sitzt dann eine Stallbetreiberin und sagt: „Davon habe ich noch nie gehört."
Die Fragen, die du deinem Stall stellen solltest
Frag. Heute. Schriftlich. Und besteh auf Antworten:
Woher kommt das Heu, das hier verfüttert wird? Werden die Flächen auf Giftpflanzen kontrolliert? Wer ist der Lieferant? Kann ich die Grünlandpflege-Dokumentation einsehen?
Wenn die Antworten ausweichend sind, wenn du „Das haben wir noch nie gebraucht" hörst, wenn dir gesagt wird, du sollst dich nicht so anstellen, dann weißt du, woran du bist.
Dein Pferd ist dort nicht sicher.
Was du tun kannst
Du kannst keinen Stallbetreiber zwingen, verantwortungsvoll zu handeln. Aber du kannst:
Deinen Tierarzt informieren. Berichte von Verdachtsfällen, auch wenn nichts „bewiesen" ist. Tierärzte brauchen diese Informationen, um Muster zu erkennen.
Andere Einstaller warnen. Nicht öffentlich mit Namen, das bringt dir Ärger. Aber im direkten Gespräch. Zeig ihnen Fotos von Herbstzeitlosen. Erkläre das Risiko. Manche wissen es wirklich nicht.
Beim Veterinäramt nachfragen. Wenn du einen konkreten Verdacht hast, dass wissentlich kontaminiertes Futter verfüttert wird, kann das Veterinäramt tätig werden. Die Hürden sind hoch, aber die Möglichkeit besteht.
Deinen nächsten Stall sorgfältiger auswählen. Frag vorher. Schau dir das Heu an. Lass dir den Lieferanten nennen. Ein Stallbetreiber, der das nicht beantworten kann oder will, ist keiner, dem du dein Pferd anvertrauen solltest.
Abschließend
Ich weiß, dass es da draußen Ställe gibt, die so wirtschaften. Die Heu kaufen, das sie nicht füttern sollten. Die Beschwerden ignorieren. Die Kritiker mundtot machen. Die nach toten Pferden einfach weitermachen.
Ich kann sie nicht namentlich nennen. Das Recht schützt in diesem Fall nicht die Opfer, sondern die Täter.
Aber ich kann das hier schreiben. Und du kannst es teilen. Und vielleicht liest es eine Pferdebesitzerin, die gerade ein schlechtes Gefühl hat, aber nicht weiß, warum. Und vielleicht fragt sie dann nach. Und vielleicht rettet das ein Leben.
Denn am Ende geht es nicht um Recht behalten. Es geht um Pferde, die niemandem zur Last fallen wollten. Die einfach nur gefressen haben, was man ihnen gegeben hat. Und dafür gestorben sind.
von schlichtwelt | 12. Dezember 2025 | Aufreger
Es gibt Dinge, da stehst du daneben und denkst dir: Leute, Leute, Leute. Mich wundert um die Menschheit echt gar nichts mehr.
Der Lidl hier hatte ein halbes Jahr zu. Ein halbes Jahr. Und dann gestern Morgen um 7 Uhr Wiedereröffnung. Und was passiert? Gestern und heute war da die Hölle los, als gäbe es kein Morgen. Als hätte man sechs Monate lang in der Wildnis überlebt und müsste jetzt endlich wieder ans Futter.
Und wieso eigentlich?
Es wird der gleiche Mist verkauft wie vorher auch.
Nicht „endlich wieder frisches Brot vom Dorfäckerl“. Nicht „endlich wieder regionale Kartoffeln direkt vom Feld nebenan“.
Nein. Das exakt gleiche Regal voller Zeug, das ich seit Jahren in jedem x beliebigen Supermarkt sehe. Immer dieselben bunten Verpackungen. Immer dieselben Lockangebote. Immer derselbe Krempel, der dir suggeriert, du brauchst ihn, damit dein Leben komplett ist.
Und das ist der Punkt, der mich wirklich fertig macht. Wir leben in einer Zeit, in der jeder über alles klagt. Alles ist teuer. Alles ist stressig. Alles ist ungerecht. Und dann rennen Menschen wie im Ausnahmezustand in einen Discounter, weil die Türen wieder aufgehen, und stopfen Einkaufswagen voll mit Zeug, das weder nährt noch glücklich macht, sondern einfach nur da ist.
Ich sag dir was. Egal in welchen Supermarkt ich gehe, ich brauche vielleicht 5 Prozent der Artikel. Maximal. Der Rest ist für mich Lärm. Regalgewordener Lärm.
Was kaufe ich wirklich?
Mehl, Butter, Joghurt, Milch, Honig und Tee. Das jede Woche. Hefe alle zwei Wochen. Gemüse und Obst jede Woche. Toilettenpapier und Küchenrollen alle paar Wochen.
Putzmittel einmal im Jahr. Hin und wieder Kaffee. Und ja, Fleisch auch ein wenig. Da sitzt noch ein kleiner Neandertaler in mir. Ich arbeite dran. Aber Grünkernwürste schmecken einfach unlustig. So ist es halt.
Und dann guckst du dir den Rest im Laden an.
Zig Konserven, als würde morgen die Zombie Apokalypse starten. Fünf Millionen Öle, als wäre Öl ein Lifestyle. 153 Soßen, damit auch ja keiner mehr merkt, wie ein echtes Lebensmittel schmeckt. Dieses ganze Maggi Knorr Gedöns, bei dem du am Ende nur noch Salz, Aroma und Nostalgie isst. Und dann stehen Leute davor, als würden sie gerade zwischen Philosophie und Weltfrieden wählen.
Und am schlimmsten ist dieses Gefühl, das dahinter steckt: Hauptsache Auswahl.
Hauptsache viel. Hauptsache Wagen voll.
Dabei ist ein voller Wagen noch nie ein Beweis für gutes Leben gewesen. Ein voller Wagen heißt erstmal nur: viel Zeug.
Das Kühlregal laufe ich an für Butter, Milch und Joghurt. Fertig. Alkohol wird überbewertet. Ich brauche nicht 30 Sorten Mineralwasser, und schon gar nicht in Plastikflaschen. Ich brauche auch keine fünf verschiedenen „Protein irgendwas“ mit Geschmack „Schoko Cookie Birthday“. Wenn ich Schoko Cookie will, esse ich einen Keks. Und wenn ich Geburtstag will, feiere ich. Ganz ohne Pulver.
Und jetzt kommt der Teil, der mich wirklich ärgert. Nicht, dass Menschen einkaufen. Nicht, dass da Mitarbeiter stehen, die ihren Job machen. Die können am wenigsten dafür. Sondern diese kollektive Aufregung um eine Discounter Wiedereröffnung. Dieses Eventisieren von Konsum. Als wäre das der Ort, an dem das Leben wieder beginnt.
Dabei wäre die echte Sensation doch etwas anderes. Stell dir vor, die Leute würden diese Energie mal in die richtigen Dinge stecken.
Stell dir vor, sie würden die Sessler Mühle in Althengstett stürmen. Nicht weil da irgendein Fernseher 30 Euro billiger ist, sondern weil sie begriffen haben, dass regional kaufen mehr ist als ein hübsches Wort für Bio Instagram. Weil sie merken, dass da Ware vom Nachbarn liegt. Dass da jemand hinter dem Produkt steht. Dass da Boden, Wetter, Arbeit und echte Qualität drin steckt.
Aber nein. Stattdessen rennen sie in den Lidl, weil die Türen wieder auf sind, und feiern es, dass sie wieder zwischen 20 Sorten Toast wählen können, von denen keine nach Brot schmeckt.
Ich brauche einen Supermarkt, 70 Quadratmeter. Das reicht. Und selbst da brauche ich nur einen Teil. Mehr Auswahl macht das Leben nicht besser. Es macht nur den Kopf voller. Und das ist ohnehin schon das Problem unserer Zeit. Alles ist voll. Kopf voll. Kalender voll. Wohnung voll. Wagen voll. Und gleichzeitig fühlt sich alles leer an.
Vielleicht, nur vielleicht, liegt es daran, dass viele nicht mehr unterscheiden können zwischen „Ich brauche“ und „Ich will gerade kurz was fühlen“.
Und dann ist Einkaufen halt das, was man noch fühlt. Licht. Musik. Farben. Angebote. Belohnung. Der kleine Kick an der Kasse. Das ist wie Fastfood fürs Hirn.
Mich entsetzt das, was da die letzten beiden Tage abging, wirklich. Und ja, ich arbeite nebendran. Ich sehe es. Ich höre es. Ich rieche es. Diese Mischung aus Hektik, Plastik und „Jetzt aber schnell, sonst ist es weg“. Als ob etwas weg wäre, wenn der Laden zu hat. Als ob es plötzlich etwas Besonderes wäre, denselben Kram wieder kaufen zu dürfen.
Ich glaube, ich werde weiterhin keinen Schritt in Lidl machen. Oder Aldi. Nicht aus moralischer Überlegenheit. Sondern aus Selbstschutz. Weil ich keine Lust habe, mich in dieser Konsumhysterie zu verlieren. Weil ich lieber dorthin gehe, wo ich noch das Gefühl habe: Das hat mit Leben zu tun. Mit Essen. Mit Herkunft. Mit Geschmack. Mit Respekt.
Und ganz ehrlich: Wenn wir schon irgendwas stürmen müssen, dann bitte Orte, die es verdienen. Orte, die die Region tragen. Menschen, die Qualität machen, statt Verpackung. Dinge, die uns wirklich ernähren.
Aber dieses „Wiedereröffnung und alle drehen durch“, das verstehe ich nicht. Und ich will es auch gar nicht mehr verstehen.
Manchmal ist es besser, einfach draußen zu bleiben.
– Roland
von schlichtwelt | 11. November 2025 | Aufreger
Liebe Verantwortlichen, liebe Umweltschützer, liebe Alle, die sonst keine Probleme haben,
jetzt isch‘s passiert.
Jetzt hat die Welt aich zeigt, wo de Frosch die Locken hätt. Jetzt isch se vereint nogestanden und hat euch allen den Stinki gezeigt und vermittelt, wie immens wichtig es doch ist, im Pferdesport mal so richtig Äkschen zu sehen. So richtig die Gäul loszulassen. So richtig blutig.
Mei Onkel hätt g‘sagt, wie in so nem gute Horrorfilm mit Köpf abhagge un so.
Mei, bin ich was sackstolz auf eich.
Aber jetzt zu eim ganz annere Problem.
Un sorry für mei dabbiche Dialekt. I bim im Droiländeregg groß worre. Pfalz, Bade, Schwobe, Deitschland.
Un dann noch ganz enge Kondagd mim Saarländer ghobt. Des isch dann so, dass i koi richtig äh koi Idenfizidings henn. Also ma wees gar nedd zu wem ma ghört und wie gschwätzt wird.
Auf alle Fäll ischs so, dass man unabhängig davon nu eh richtigs Problem han.
Deletscht, also grad hogg i nachts uffem Klo.
Denk an nix bleeds. Und do fliagt ma so a dappich Viech ums Ohr. So oins wo ihr grad mei Milliarde vaplempert, damit en Tunnel im Tunnel gebaschtelt wird.
Nedd so mit Sinn, sondern dmit des Viechzeug nedd mim Zug zammfliegt. Für en Bähnle wo eure Vorfahre oifach abgschafft henn. Und jetzt kummt so a Sesselpupsa und soi Ohöngerschaft uff dappich Idee, dass es dappich war des obzuschaffe.
War’s echt scho, also richtig dappich.
Nu simma jahrelang von Weil der Stadt nach Calw gloffe und freuet uns, dass ma endlich aus unsre Höhlenwohnunge ausziga kenne und wie normale Mensche mitm Bähnle umeinandergurke kenne.
Wenn do nedd s‘gschissne Viech do wär.
Jedenfalls fliagt ma also da im Hogge im Klo nachts eben DES Viach ums Ohr.
Und jetzt geht’s drum, was mach i jetzt?
Isch des Viach jetzt do, weil‘s koin annerer Platz gfunde hot?
Muss ich mir jetzt e Klo im Klo baschtle?
Un därf i die ekelhafte Exkremente oifach wegwische?
Un wer zahlt mein Schleuderdrama vom ausweiche?
Weil i mog de Viechers scho au a weng.
Aber wenn die jetzt koi Bogg uff aiern Tunnel im Tunnel henn unn liaba uff meim Klo abhönget, sollt ma ma gugge inwieweit ma mich do unterstützet.
Es muss ja nedd soviel soi wie mit den viele Nulle, die koi Seggel sich merke ko. Ma kann’s Geld oifach wiege. Oder so ä Sackkarr voll vorbeibringa. Dann gugg ich, so e Klo im Klo werd ich scho irschendwie nabringe.
Mensch, wenn ma aich nedd hätt‘.
Roland